Zu meiner nachfolgenden Bild/Text - Dokumentation des Unfalls bzw. der Tragödie "AMRUM am 01. Juli 2012" und mein damaliges "Frei- Zeich(n)en" in Bild, Text, Foto und Gedicht, sei hier das Bild vom 3. Tag der Suche am PIRATENSCHIFF vorangestellt:

Wie üblich bei Tragödien und Katastrophen, war die Suche zunächst in die Weite verlegt worden: Mit Hubschrauber über die Insel und den Kniepsand; am und im Wasser mit dem Seenotkreuzer und per Aufruf zur Mitsuche seitens der Bevölkerung. Schliesslich am dritten Tag der Suche konzentrierte sich - mit Hilfe der zufällig aufgenommenen Fotos von Inselbesuchern - die Suche nach dem vermissten Jungen wieder auf den Anfangspunkt, dem Piratenschiff.

Das macht die Tragödie für mich, der 2006 an einem Katastrophenhilfe Seminar in London teilgenommen hatte, noch tragischer!


AMRUM am Abend des 01. Juli 2012

Bildfolge zum Ereignis vom 01.07. - 03.07.2014 auf der Insel Amrum im Nachgang beim anschließenden Besuch eines Ateliers auf dem Festland. Hier Fotos vom Entstehungsprozess meines ersten Acryl-Bildes (sog. startup) zur Darlegung der Entwicklungsphasen unter den Insulanern (den 5-6 Stufen des BEJAHUNGS-PROZESSES vergleichbar).

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 1.

Ausgangsbild:

Man fragte mich im Atelier, ob ich schon ein Thema hätte und eine unbemalte oder über-malbare Unterlage haben wolle. Bei diesem Angebot kannte man mein Thema und die Geschichte von einem kürzlich verschütteten Jungen nicht; ich griff sofort zu. Hier schon auf Leinwand der 'Junge' unter dem Piratenschiff, wo er, wie sich später mittels Aufruf an die Insulaner herausstellte, noch alleine spielend, von Gästen zufällig fotografiert worden war.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

Bild 2.

Beim Übermalen bin ich – wie die Tage auf der Insel - durch verschiedene "Phasen" gegangen: Bilder, Gedanken, Empfindungen, Parallelen, der Gedanke an den 5-6-stufigen Bejahungsprozess (bin Psychologe und Seelsorger) u.v.a. flogen mich an bzw. durchfluteten mich.

Hier ein Detail:  Der nachmittags noch im vereinten Spielen feucht aufgeschüttete, nun vom Rand der Grube herunter gebrochen abgetrocknete Sand (graugrüngelbe Streifen) bedeckt den noch lebenden (roter Haarschopf) Jungen...Ein für ihn und die noch nichts ahnende Familie furchtbares: “Das darf doch (noch nicht) nicht wahr sein!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 3.

Es geschah gleichzeitig sehr VIEL:

In das Aussen Laute und Geschäftige waren da Sand, Rufe, Wind über dem Kniepsand (weisse Schwaden)...Hubschrauber, Megaphone...hinein das Innen Betroffenheit, Innehalten, Blicke ratlos in-die-Ferne-schweifen-lassen, Rufen, Horchen, Nicht-fassen-können und Nicht-wahr-haben-wollen, Angst, Ärger, Wut (rote Striche), dann wieder Banges Hoffen, aufsteigende Traurigkeit...bis tief in die Morgenstunden des folgenden Tages.

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 4.

Mit den Stunden folgen:

Fassungslosigkeit, Ungewissheit, Sorgen, Fragen, Irren, Kirchgang

(man hatte am 2. Abend einen Bittgottesdienst angesetzt = gelbes Kreuz),

Suche nach Ausdruck von Mitgefühl, Gebete...alles in Reichweite des Piratenschiffs, der Unterkunft der Familie oberhalb des Kniepsand und der Kirche in Wittdün.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 5.

Trotz allseitiger Wachsam- und Achtsamkeit:

Weiterhin ohne klärende Spur(en),

Ratlosigkeit, Bangen, Innesres Verhandeln um das Schicksal doch noch Beeinflussen und Wenden und wieder Hoffen können (gelbe Farbe)...und doch Vorahnung von Vergeblichkeit (weisse Schwaden)...Schließlich der Aufruf nach - auch ortsbezogenen- "Schnappschüssen" von Inselgästen...

Erneutes Hintreten und Suchen und...Finden?


 

 

Bild 6

Überall und nirgendwo

(die weissen Schwaden haben sich über das ganze "Feld" gelegt)

bleibt es - bis auf wenige nun schon gezielter? -

bei Weiter Suchen mit dem Anflug von aufkeimendem

Zweifel bis Ärger ob der zutage tretenden Unzulänglichkeit...

Traurigkeit, gleichsam Trauer ankündigende Raben

(schwarze Winkel) schatten sich ein.

 

Unter Allen, Vielen

immer noch und wieder neu im BEJAHUNGS-PROZESS

das Ringen um das Wahrhaben-Müssen...

Für Andere

Suche in einer Nullschleife weiter nach dem

Warum, Wieso, Wozu!


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 7.

Nahezu lautlos - war mit der Fähre vom Festland kommend - ein starker Suchtrupp (siehe eingangs Foto am Piratenschiff) aufmarschiert!?!

 

Ein "Insel-Erinnerungs-Foto" veranlasste erneute Tritt-Spuren von Helfern im Sand, wo doch eigentlich deren selben, vom Wind längst (schattenhaft) verwischt waren...dieses Mal aber mit anderer Ahnung?!

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 8.

Mit einem Mal STILLE:

In Wellen kommen die vergangenen Tage, Stunden zurück zum Ort des Geschehens unter dem PIRATENSCHIFF und zu den - im wahrsten Sinne des Wortes - betroffenen HERZEN...Fassungslosigkeit...SCHMERZ...dumpfes Dasein (wie) unter Wasser (türkis bis grünblaue Farbe)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 9.

Fertiges Bild / Abschlussfoto

 


Im Nachgang dazu eine Email zu diesem Abschlussfoto

Lieber Christian,

ich freue mich wieder etwas von dir zu lesen und dein Bild und Foto bringen mir deine Energien über das Netz. Sei nicht traurig ...alles soll so sein.

Das Gesetz der Zulassung sollte dir dabei helfen. Jeder hat seinen eigenen Lebensweg,der genau richtig ist...auch, wenn er manchmal schmerzlich und traurig ist und wir nicht begreifen "Warum"? und schnell die Schuld auf andere Menschen und sogar auf Gott schieben,alles ist ein großer Plan...zum Nutzen für uns Alle, denn wir sind alle EINS.

Es ist sehr weise seine Gefühle abzugeben und sie (wie in deinem Falle) zu verarbeiten.

Das Bild ist blau, verwaschen-(rein, himmlisch, Wasser, männlich, unschuldig, traurig, der obere Teil verwaschen unklar...läuft von oben nach unten...vom Himmel zur Erde, gibt Trauer zu)hat menschliche Züge (noch nicht vollständig), kindlich und unschuldig. Ich sehe eine ungeborene Seele oder Kind?

Was ist passiert? Ich würde gerne mehr erfahren,vielleicht kann ich helfen.

F.-L.


Mi

23

Apr

2014

Endlich habe ich es gewagt!

Mein Bild  CRYSTAL   2014   80 x 100 cm   Acryl gespachtelt  (Wasserfall, Lichteinfall...verborgene Frauengestalt?.) in einer halben Stunde entstanden.

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